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Carlos Santana: „ein Hippie war ich nie.“

Las Vegas, 22. Mai 2026
ein Interview von

Alex Gernandt

Fotos: Maryanne Bilham/riva Verlag

„Mir wurde der universal tone gegeben!“

Wenn Carlos Santana über Musik spricht, fällt meist der Ausdruck „universal tone“. Was es mit diesem besonderen Ton auf sich hat, warum er in einem Bordell sein erstes Geld verdiente und welche Woodstock-Legende beinahe ein Mitglied seiner Band Santana geworden wäre, erzählte er unserem Autor Alex Gernandt im Interview.

Seit Jahrzehnten gilt Carlos Santana als einer der begnadetsten, innovativsten Gitarrenkünstler der Welt. Er wurde am 20. Juli 1947 als Carlos Augusto Santana Alves in Autlán de Navarro, Mexiko, als Sohn eines Mariachi-Violinisten geboren.

1960 siedelte er mit seinen Eltern nach San Francisco um, wo er 1966 die Santana Blues Band gründete. Er gilt als Erfinder des Latin-Rock und wurde mit Songs wie „Black Magic Woman“ (Coverversion von Fleetwood Mac), „Samba Pa Ti“ oder „Oye Como Va“ berühmt. Im August 1969 gelang ihm beim legendären Woodstock-Festival der große Durchbruch.

Nach längeren Durststrecken in den Achtzigerjahren, verkaufte sich sein Comeback-Album „Supernatural“ mit Hits wie „Smooth“ oder „Maria Maria“ (1999) und Gastmusikern wie Eric Clapton, Rob Thomas, Lauryn Hill, Everlast und Dave Matthews weltweit über 30 Millionen Mal und brachte ihm acht Grammys ein.

Seit 2010 ist Carlos Santana mit der Jazz-Drummerin Cindy Blackman verheiratet und lebt heute in Las Vegas. 2021 erschien sein bislang letztes Album „Blessings and Miracles“.

TL27: Als einer der besten Gitarristen der Welt sprichst Du gern vom „universal tone“ in der Musik. Kannst Du erklären, was Du damit meinst?

Carlos Santana: Der universelle Ton ist ein besonderer Klang, der es schafft, alle Menschen auf diesem Planeten zu verbinden. Selbst die, die Musik vielleicht gar nicht mögen. Ich habe den universal tone“ nicht erfunden, er wurde mir gegeben! Man kann ihn nicht lernen, sondern muss damit geboren werden. Es ist eine Gabe. Michael Jackson, Bob Marley, Marvin Gaye, John Coltrane, Miles Davis oder Billie Holiday – auch sie alle hatten diese Gabe, viele Menschen mit ihrem Sound zusammen zu bringen. Wenn man den universal tone“ hört, wird man erinnert an die Musik, die man selbst in sich trägt.

In seiner inzwischen in Deutschland als Printausgabe vergriffenen Autobiografie „Der Klang der Welt“ (im Original „ the universal tone – bringing my story to light“) erklärt Carlos Santana, das der universal tone für ihn kein rein musikalischer Begriff, sondern das Fundament seiner gesamten Lebensphilosophie und Weltsicht ist. Er bezeichnet ihn als eine metaphysische Konstante, die das Universum zusammenhält. Der universal tone sei die Ur-Energie des Schöpfers. Für ihn ist es die spirituelle Schwingung der Liebe, des Lichts und des Göttlichen, die in jedem Menschen, jedem Tier und jeder Pflanze existiert.
Musik sei lediglich das Werkzeug, um diese ohnehin vorhandene, unsichtbare Frequenz hörbar und spürbar zu machen. Wenn ein Musiker diesen Ton trifft, verbinde er sich direkt mit der Quelle der Schöpfung. Und er selbst sei lediglich eine Antenne oder ein offener Kanal. Die Aufgabe des Kü+nstlers bestehe darin, sein eigenes Ego komplett zurückzustellen.
Nur wenn das Ego schweigt, könne der universal tone ungehindert durch seine Finger und die Gitarrensaiten fließen. Santana beschreibt Momente auf der Bühne, in denen er das Gefühl hat, die Musik passiere durch ihn, nicht von ihm.

Du bist 1947 in Mexiko geboren und Anfang der Sechzigerjahre mit Deinen Eltern und Geschwistern nach Amerika ausgewandert. Waren die Staaten das gelobte Land für Dich?

Eigentlich gar nicht, mir gefiel es in Mexiko ganz gut, obwohl ich die amerikanische Kultur, die Musik liebte. Wir zogen damals direkt nach San Francisco, wohnten in einer kleinen Wohnung im Mission District, und ich besuchte die Mission Highschool. Aber Schule interessierte mich nicht und es nervte, dass mich mein schlechtes Englisch als Immigrant entlarvte. Wichtig war mir nur das Gitarrespielen oder Konzerte zu sehen im Fillmore West, dem angesagtesten Club der Gegend.

Dort sollte es bald zu einer schicksalhaften Begegnung kommen… 

Mit Bill Graham, einem großen Konzertimpresario, der übrigens in Berlin geboren wurde und während des Holocaust auf abenteuerliche Weise nach Amerika geflohen war. Ich traf ihn 1966. Die Story ist irre. Der geniale Blues-Musiker Paul Butterfield sollte an jenem Abend im Fillmore auftreten, der Laden gehörte Graham. Butterfield fiel aber aus, weil er völlig stoned war. Also stellte Graham ruckzuck eine Art Ersatzband für den Abend zusammen, es musste ja ein Konzert stattfinden. Mein Manager schlug ihm vor, mich als Gitarristen in diese Band nehmen – und Graham willigte tatsächlich ein, obwohl er mich noch nie hatte spielen sehen. Ich war erst 19, aber meine Performance muss ihn beeindruckt haben, denn von da an hat er mir immer wieder geholfen…

… und Dich im August 1969 als Newcomer sogar beim legendären Woodstock-Festival untergebracht, neben ganz großen Namen wie Jimi Hendrix, The Who, Joan Baez und Janis Joplin!

Da hatte Bill seine Finger im Spiel, klar. Ich hatte kurz zuvor mit meiner Band das erste Album veröffentlicht und nie außerhalb von San Francisco gespielt, geschweige denn an der Ostküste. Keiner kannte uns. Sozusagen durch die Hintertür kamen wir dank Bill nach Woodstock und wurden wie Superstars per Helikopter auf das riesige Festivalgelände geflogen. Statt der erwarteten 50.000 waren unglaubliche 500.000 Zuschauer gekommen. 

Wie erinnerst Du Dich heute an Woodstock?

Als durch und durch positive Erfahrung, ein wunderbares Chaos! Woodstock hat mein Leben verändert. Ich erinnere mich an Wahnsinns-Auftritte von Jimi Hendrix und Sly Stone, aber auch an ohrenbetäubendes Knattern der Helikopter, die ständig über dieses endlose Meer von Menschen flogen. Mit Autos kam man ja nicht weiter, denn der Highway, der am Gelände vorbei führte, war aufgrund des immensen Andrangs komplett zugeparkt. Nichts ging mehr. Außerdem hatte es fürchterlich geregnet, überall war Schlamm und entsprechend sahen die Leute aus. Die Veranstalter waren mit der Situation komplett überfordert, schließlich wurde sogar die Umzäunung niedergerissen und es kamen massenhaft Fans rein ohne Ticket. Als das The Grateful Dead, die Bill Graham managte, und The Who mitbekamen, wollten die gleich wieder abreisen, weil sie um ihre Gage fürchteten. Kohle spielte bei allem “Love & Peace“ eben auch eine entscheidende Rolle.

Woodstock war auch der Höhepunkt des “Summer of Love“, der Hippie-Bewegung…

Da war das Gefühl, dass wir nicht alleine waren, dass es viele andere Menschen gab, die dieses besondere Lebensgefühl teilten. Love and Peace. Ich dachte immer, dass Haight-Ashbury und die Hippies eine Minderheit seien – in Woodstock merkte ich, dass dem nicht so war. Über eine halbe Million Gleichgesinnter waren gekommen, um das Leben zu feiern. Es war gut, soviele Freaks an einem Ort zu sehen! 

Außer Love & Peace spielten beim Woodstock-Festival bekanntermaßen auch Drogen eine gewichtige Rolle… 

Klar, alle waren drauf. Ich hatte vor dem Gig LSD genommen. Als ich dann mittags um zwei mit meiner Band früher als geplant auf die Bühne musste, war die Wirkung noch voll da. Meine Gitarre fühlte sich an wie eine Schlange, eine elektrische Schlange (lacht). Ständig hatte ich das Gefühl, der Gitarrenhals windet sich. Trotzdem wurde es ein guter Gig, wir wurden gefeiert. 

Dein Manager Bill Graham soll dennoch besorgt um Dich gewesen sein!

Bill befürchtete, dass ich aufgrund des plötzlichen Über-Nacht-Erfolges abheben würde. Er hatte es bei anderen Musikern oft genug erlebt, deren Ego größer war als der Raum, in dem sie sich befanden. Nicht wenige liessen sich von diesem Rock’n’Roll-Icon-Bullshit verführen – und gingen daran zugrunde. Graham meinte jedenfalls: bleib bloß cool, Junge! Und ich entgegnete: Bill, hör auf mit dem Hippie-Gequatsche! Ich bin auf der Straße aufgewachsen und ziemlich tough. Don’t worry. 

Apropos “Hippie-Gequatsche“: Bedeutet das, dass Du gar kein Hippie warst?

Das bedeutet es! Ich war nie ein Hänger wie viele Hippies, sondern hatte immer Ziele, war ambitioniert, wollte nach oben, gehört werden, etwas erreichen. So bin ich erzogen worden, besonders von meiner Mutter. 

Trotzdem hast auch Du das Rockstar-Leben genossen –mit allem, was dazugehört…

Ein Heiliger war ich sicher nicht. Ich pfiff mir Drogen rein, trank zuviel und versuchte, soviele Frauen zu verführen wie möglich. Aber wenn es darauf ankam, wenn ein Gig anstand, war ich zuverlässig und habe abgeliefert. 

Santana in der aktuellen Besetzung. (Sony Music 2025)

Disziplin hatte mir meine Mutter schon früh eingetrichtert, das blieb hängen. Leider war das nicht bei allen in unserer Band der Fall. Einigen meiner Musiker war der glitzy Lifestyle wichtiger als die Musik. Da habe ich sie rausgeschmissen – naja, hart durchzugreifen ist nicht eben hippie-like.

Dein musikalisches Talent hast Du aber sicher vom Vater geerbt, oder!? 

Ganz klar. Mein Dad hieß José und war Mariachi-Musiker mit Leib und Seele, ein Mestize, also Mexikaner indianischer Abstammung, dunkelhäutig, sehr charismatisch und temperamentvoll, mit einer romantischen Ader. Das ist ihm als Musiker zugut gekommen. Überall war er beliebt, außer bei seinem Schwiegervater. Der war ein wohlhabender Gutsherr und wollte keinen armen Musiker in der Familie. Meiner Mutter war das aber egal, sie stand zu meinem Vater. Musik ist bei uns kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung. Als ich gerade mal vier war, brachte mir mein Vater das Violinenspiel bei.

Warum bist Du später zur Gitarre gewechselt?

Für die Violine habe ich mich nie begeistern können. Ich mochte weder den Sound noch die Form des Instruments. Mein alter Herr schenkte mir dann eine Gitarre, eine Gibson L5, das Wes-Montgomery-Modell. Das ist eine Jazz-Gitarre, die war fast größer als ich damals (lacht). Aber die Form – einfach fantastisch! Rundungen wie bei einer Frau. Ich übte wie besessen. 

Geboren und aufgewachsen bist Du in der Kleinstadt Autlán de Navarro, Mexiko. In jungen Jahren musstest Du nach Tijuana umziehen. Warum?

Weil mein Vater dort ein längerfristiges Engagement in einem Club bekam. Da war ich so zehn. Tijuana liegt direkt an der Grenze zu den USA, deshalb kamen immer viele amerikanische Touristen und wollten Mariachi-Sound hören. Da verdiente mein Vater gutes Geld. Er war mein großes Vorbild. 

Du hast bald begonnen, Dich für schwarze Musik, R&B, Soul und Rock’n’Roll zu interessieren…

Ja, ich war verliebt in das Radio. Das war eine Zauberkiste für mich. Ich entdeckte Little Richard, Chuck Berry, Bo Diddley, Muddy Waters, B.B. King und John Lee Hooker wurden meine Helden. Elvis Presley übrigens nicht. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass mich meine älteren Schwestern früher dazu zwangen, Elvis zu hören. Sie schwärmten für ihn. Elvis wirkte zu jener Zeit auf mich bereits mehr wie ein “Produkt“, die Marketingmaschine lief bei ihm bereits auf Hochtouren. Ich weiß, dass sein Manager Colonel Parker hinter vieler dieser Entscheidungen steckte. Aber wenn mein Manager von mir verlangen würde, von der Golden Gate Bridge zu springen, würde ich es trotzdem nicht tun. Du selbst musst den absoluten Glauben an dein Talent haben, daran, dass es größer ist als jedes Marketing.

Stimmt es, dass Du später als Gitarrist in Tijuana auch in einem Bordell aufgetreten bist?

Ja, das stimmt (lacht). Meine Mutter war davon wenig begeistert, wie man sich vorstellen kann. Mein Vater dagegen sagte, lass den Jungen, er muss lernen, sich im Leben durchzuschlagen, solche Gigs gehören dazu. Mit Auftritten im Bordell habe ich zum ersten Mal im Leben eigenes Geld verdient.

Wie hat Deine Mutter Dich und Deine Geschwister erzogen?

Wir waren arm und lebten in einem winzigen Haus, aber alles war immer blitzsauber und ordentlich. Würde war meiner Mutter sehr wichtig. Das gab sie an uns Kinder weiter. Sie war sehr resolut, ich hatte oft Angst vor ihr. Sie legte größten Wert auf Disziplin und sagte uns, dass wir immer an uns glauben sollten, dass wir zuversichtlich sein sollten und Menschen vertrauen. Es würde immer jemanden geben, der uns auf unserem Weg hilft. Das hat sich für mich bewahrheitet mit Bill Graham und später mit dem Plattenmanager Clive Davis, der mich beriet und mir nach einer Krise 1999 mit dem Album “Supernatural“ und Hits wie “Smooth“ zu einem Riesen-Comeback und einigen Grammys verhalf. Der Rest, so sagt man, ist Geschichte…

Im April 1987 hast Du – lange vor dem Fall der Mauer – ein Freedom-Konzert in Ost-Berlin gespielt. Gehört dieser Auftritt zu den Highlights Deiner Karriere?

Aber absolut. 

Ich werde nie vergessen, wie wir damals den Checkpoint Charlie passierten, um zum Palast der Republik im Ostteil zu gelangen. Mein Bandkollege Buddy Miles und ich guckten uns einige Sekunden ungläubig an. Die Fans aus der DDR, die ins Konzert rein durften, wirkten auf mich wie ausgehungert. Und überall standen bewaffnete Soldaten mit grimmigen Blicken rum, bizarre Situation. Aber je länger das Konzert dauerte, desto lockerer wurden auch die Uniformierten, hatte ich den Eindruck. Auf der “Freedom“-Tour haben wir auch in Moskau und in Jerusalem gespielt. Das sind Erlebnisse, die ich niemals vergessen werde. ?"

Dein musikalisches Talent hast Du aber sicher vom Vater geerbt, oder!? 

Ganz klar. Mein Dad hieß José und war Mariachi-Musiker mit Leib und Seele, ein Mestize, also Mexikaner indianischer Abstammung, dunkelhäutig, sehr charismatisch und temperamentvoll, mit einer romantischen Ader. Das ist ihm als Musiker zugut gekommen. Überall war er beliebt, außer bei seinem Schwiegervater. Der war ein wohlhabender Gutsherr und wollte keinen armen Musiker in der Familie. Meiner Mutter war das aber egal, sie stand zu meinem Vater. Musik ist bei uns kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung. Als ich gerade mal vier war, brachte mir mein Vater das Violinenspiel bei.

Warum bist Du später zur Gitarre gewechselt?

Für die Violine habe ich mich nie begeistern können. Ich mochte weder den Sound noch die Form des Instruments. Mein alter Herr schenkte mir dann eine Gitarre, eine Gibson L5, das Wes-Montgomery-Modell. Das ist eine Jazz-Gitarre, die war fast größer als ich damals (lacht). Aber die Form – einfach fantastisch! Rundungen wie bei einer Frau. Ich übte wie besessen. 

Geboren und aufgewachsen bist Du in der Kleinstadt Autlán de Navarro, Mexiko. In jungen Jahren musstest Du nach Tijuana umziehen. Warum?

Weil mein Vater dort ein längerfristiges Engagement in einem Club bekam. Da war ich so zehn. Tijuana liegt direkt an der Grenze zu den USA, deshalb kamen immer viele amerikanische Touristen und wollten Mariachi-Sound hören. Da verdiente mein Vater gutes Geld. Er war mein großes Vorbild. 

Du hast bald begonnen, Dich für schwarze Musik, R&B, Soul und Rock’n’Roll zu interessieren…

Ja, ich war verliebt in das Radio. Das war eine Zauberkiste für mich. Ich entdeckte Little Richard, Chuck Berry, Bo Diddley, Muddy Waters, B.B. King und John Lee Hooker wurden meine Helden. Elvis Presley übrigens nicht. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass mich meine älteren Schwestern früher dazu zwangen, Elvis zu hören. Sie schwärmten für ihn. Elvis wirkte zu jener Zeit auf mich bereits mehr wie ein “Produkt“, die Marketingmaschine lief bei ihm bereits auf Hochtouren. Ich weiß, dass sein Manager Colonel Parker hinter vieler dieser Entscheidungen steckte. Aber wenn mein Manager von mir verlangen würde, von der Golden Gate Bridge zu springen, würde ich es trotzdem nicht tun. Du selbst musst den absoluten Glauben an dein Talent haben, daran, dass es größer ist als jedes Marketing.

Stimmt es, dass Du später als Gitarrist in Tijuana auch in einem Bordell aufgetreten bist?

Ja, das stimmt (lacht). Meine Mutter war davon wenig begeistert, wie man sich vorstellen kann. Mein Vater dagegen sagte, lass den Jungen, er muss lernen, sich im Leben durchzuschlagen, solche Gigs gehören dazu. Mit Auftritten im Bordell habe ich zum ersten Mal im Leben eigenes Geld verdient.

Wie hat Deine Mutter Dich und Deine Geschwister erzogen?

Wir waren arm und lebten in einem winzigen Haus, aber alles war immer blitzsauber und ordentlich. Würde war meiner Mutter sehr wichtig. Das gab sie an uns Kinder weiter. Sie war sehr resolut, ich hatte oft Angst vor ihr. Sie legte größten Wert auf Disziplin und sagte uns, dass wir immer an uns glauben sollten, dass wir zuversichtlich sein sollten und Menschen vertrauen. Es würde immer jemanden geben, der uns auf unserem Weg hilft. Das hat sich für mich bewahrheitet mit Bill Graham und später mit dem Plattenmanager Clive Davis, der mich beriet und mir nach einer Krise 1999 mit dem Album “Supernatural“ und Hits wie “Smooth“ zu einem Riesen-Comeback und einigen Grammys verhalf. Der Rest, so sagt man, ist Geschichte…

Im April 1987 hast Du – lange vor dem Fall der Mauer – ein Freedom-Konzert in Ost-Berlin gespielt. Gehört dieser Auftritt zu den Highlights Deiner Karriere?

Aber absolut. Ich werde nie vergessen, wie wir damals den Checkpoint Charlie passierten, um zum Palast der Republik im Ostteil zu gelangen. Mein Bandkollege Buddy Miles und ich guckten uns einige Sekunden ungläubig an. Die Fans aus der DDR, die ins Konzert rein durften, wirkten auf mich wie ausgehungert. Und überall standen bewaffnete Soldaten mit grimmigen Blicken rum, bizarre Situation. Aber je länger das Konzert dauerte, desto lockerer wurden auch die Uniformierten, hatte ich den Eindruck. Auf der “Freedom“-Tour haben wir auch in Moskau und in Jerusalem gespielt. Das sind Erlebnisse, die ich niemals vergessen werde. 

Siehst Du Woodstock im Rückblick als eine positive Erfahrung?

Ja, natürlich. Ich sehe nichts Negatives. Man musste dort lernen, mit wenig auszukommen, das galt auch für uns Musiker. Es gab dort kaum was zu Essen und nur wenig Wasser. Wenn jemand was hatte, hat er es mit anderen geteilt. Das war eine schöne Erfahrung. Miteinander auskommen und Dinge teilen – das war einer der positiven Aspekte des Spirits des “Summer of Love“…

Gerüchte besagen, dass Jimi Hendrix einst kurz davor gewesen sein soll, in die Santana-Band einzusteigen! Ist da denn was dran?

Stimmt! Das war zu jener Zeit Ende der Sechziger, als Jimi seine drei legendären Platten – “Are You Experienced“, “Axis: Bold As Love“ und “Electric Ladyland“ – gemacht hatte und auf der Suche war nach einer neuen musikalischen Richtung. Da meinte er mal spontan zu mir: Hey, Carlos, ich könnte ja bei euch mitspielen. Klasse Idee, dachte ich mir – dann werde ich eben Roadie (lacht). 

Doch es kam nie zu dieser Collabo, denn kurze Zeit später war Jimi tot..."