Tote Gans?
Jaja, aber was war um 17.39 Uhr und 39 Sekunden MEZ?
Irgendein Unglück?
Keine Ahnung?
Nun, das Foto das zu diesem Zeitpunkt entstand, kannte fast jeder Mensch.
Nur wenige Momente sind in unserem Leben derart, dass wir wissen, diesmal ist es etwas Besonderes. Und 1968 war 17.39 Uhr definitiv etwas, das viele sofort als etwas ganz außergewöhnlich erkannten. 2026 wurde der gleiche Vorgang noch einmal abgelichtet. Diesmal gut vorbereitet, in vielfachen Variationen, mit Kameras deren Auflösung Haare spaltet. Aber diesmal war der Moment vielen kaum ein Blick wert.
Die Rede ist von „Earthrise“ – 1968 festgehalten von William Anders, der schneller als seine beiden berühmten Kollegen Frank Borman und James Lovell von Apollo 8 den Moment des Erdaufgangs hinter dem Mond auf einem 70mm-Farbfilm mit einer Hasselblad 500 EL festhielt. Eine kleine blaue Kugel vor einem undurchdringlichen, schwarzen Hintergrund. Das Bild gilt heute als eine der einflussreichsten Naturfotografien aller Zeiten, da es der Menschheit zum ersten Mal die Verletzlichkeit und Isolation der Erde im dunklen Weltraum vor Augen führte. Wer das Foto sah, dem wurde damals bewusst, dass wir gut auf diese kleine blaue Kugel aufpassen müssen, denn ihre nur 100 Kilometer dünne Hülle aus Sauerstoff und anderen Gasen Ist alles, was uns vom dunklen kalten Weltall, einem der lebensfeindlichsten Orte, die wir kennen, trennt.
„Wir sind den ganzen Weg geflogen, um den Mond zu erkunden, und das Wichtigste ist, dass wir die Erde entdeckt haben.“
Auf der vierten Mondumkreisung von Apollo 8 entstand das ikonische Bild in dem Moment, als die Kapsel hinter der Rückseite des Mondes hervorkam und die Erde am Horizont erschien.
Die Original-Tonaufnahme von damals:
Bill Anders: „Oh mein Gott! Seht euch diesen Ausblick da drüben an! Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“
Jim Lovell (scherzend): „Hey, fass das nicht an, das ist nicht geplant!“
Am 7. April 2026 um 1.22 Uhr Mitteleuropäischer Zeit machte nach 56 Jahren, drei Monaten und 13 Tagen, erstmals wieder ein menschliches Wesen ein Foto des Erdaufgangs hinter dem Mond. Von Hand fotografiert – nix KI! Präzise abgelichtet von den hochauflösenden Sensoren einer Nikon Z9 mit einem 400 mm Teleobjektiv sowie von der extremen Lichtempfindlichkeit der älteren Nikon D5, die bereits seit 2017 auf der ISS eingesetzt wird. Und trotzdem weit weniger spektakulär für eine neue Generation Menschen, die mit den Drohnenvideos – eigentlich Fotos mit einer Geschwindigkeit von 30 Bildern pro Sekunde, die von der NASA zu Zeitraffer-Videos zusammengesetzt wurden – von „Ginny“, dem kleinen Mars-Helikopter Ingenuity, aufwuchsen. Was ist schon unsere Erde hinter dem Mond, wenn vor den Sanddünen und Felsen des Mars die Trümmer der zerschellten Landekapsel der beiden Marsrover „Curiosity“ und „Perserverence“ auf unserem roten Nachbarplaneten zu sehen sind?
Außerdem weiß man heute, dass es ja eigentlich gar keinen richtigen Erdaufgang geben kann. Der Mond als Himmelskörper mit gebundener Rotation zeigt der Erde immer das gleiche Gesicht. Zeigt sich also unbewegt, wie viele Menschen auch. Von den meisten Orten auf dem Mond ist entweder ständig oder nie die Erde zu sehen. Nur an den „Rändern“, also den 20 Prozent der Oberfläche, die zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Seite des Mondes liegen, gibt es einen kleinen Erdaufgang. Nicht täglich, sondern nur alle ca. 27 Tage – wenn durch die Libration, also das Wackeln des Mondes, die Erde 48 Stunden lang über dem Mondhorizont aufsteigt und dann ebenso langsam wieder hinter ihm verschwindet.
Was die Astronauten im Mondorbit 1968 und auch 2026 fotografiert haben, war ein künstlich herbeigeführter Earthrise, durch die Umrundung des Erdtrabanten. Und das alle zwei Stunden.
In den Jahren nach 1968 hat das Foto von William Anders viele Menschen bewegt und inspiriert. Es verschaffte der Klima-Wissenschaft ihr ikonisches Symbol, weil es anschaulich vor Augen führte, wie fragil unsere Heimat ist. Denn, wäre die Erde so klein wie ein Apfel, hätten wir gerade einen Bereich dünner als die Apfelschale zum Leben, was in realen Maßstäben 30 Kilometern entspricht. Und auch die aufkommende Friedensbewegung konnte sich an „Earthrise“ moralisch aufrichten: Wie können wir uns auf dieser kleinen blauen, verletzlichen Kugel bekriegen? Sollten wir nicht lieber zusammenhalten und dieses Zuhause gut hüten?
2026 haben wir gerade eine weltweite Pandemie hinter uns, gefolgt von einem Krieg in Europa und im Pulverfass Naher Osten, das uns gerade um die Ohren fliegt. Vor uns düstere politische Aussichten einer neuen imperialistischen Weltordnung und die größte Bedrohung von Freiheit und Demokratie seit dem 2. Weltkrieg. Wenn wir heute über den Weltraum sprechen, reden wir meist nicht mehr über eine Errungenschaft der gesamten Menschheit (was es natürlich auch 1968 nicht war: kalter Krieg, zwei Supermächte, die sich auch im Weltraum gegenseitig übertrumpfen möchten), sondern meist von Tech-Milliardären und bald Billionären, die den erdnahen Orbit zu ihrem Hobby erkoren haben und neben zahlenden Gästen schon mal ihre Freundinnen mit einem Flug ins All beglücken. Auch wenn die aktuelle Artemis-Mission vor allem wissenschaftliche Gründe hat und wie die Flüge in den Sechzigern Jahren und bis 1972 von den Vereinigten Staaten von Amerika finanziert wird, wird die Zukunft der Raumfahrt in privater Hand liegen und von… sagen wir wirtschaftlichen Interessen, statt von Neugier getrieben sein.
Ein kollektives Raunen nach dem „Artemis II Earthrise“ blieb aus. In einer Zeit, in der jeder mit einem Smartphone Abbildungen in 4K von der Oberfläche einer gerade explodierenden Supernova erstellen kann oder auf dem heimischen Rechner selbst Kriege auf Unterwasserwelten einer Supererde im Sternbild Aldebaran bestreitet, brauchen wir offenbar keine Fotos mehr, um daran alte Werte wieder aufzurichten und neue zu etablieren. Man könnte meinen, manch einer würde auch keine Erde vermissen.
So wie in den „Goldenen Zwanzigern“ des vergangenen Jahrhunderts, als Regisseur Fritz Lang in seinem Monumental-Stummfilm „Metropolis“ auf einer Texttafel den künstlichen Maschinenmenschen Maria „sprechen“ ließ: „Ich will, dass sie tanzen und lachen, während ihre Welt in Trümmer fällt!“ Was bekanntlich keine zehn Jahre später in Form des 2. Weltkriegs geschah. Und was sagen heute die künstlichen Ur-Urenkel von Maria dazu?
Chat GPT:
Frage an alle KI:
Google Gemini:
Microsofts Copilot:
Elon Musks Grok:
Claude:
Aber vielleicht kann ja doch noch jemand, den die Musik nicht zum Tanzen animiert, etwas mit den Bildern der Artemis-Crew, mit Earthrise und Earthset anfangen.