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Wir müssen reden: Es geht um Euch!

München, 17. Februar 2026
ein Essay von

Uzziel van Baalson

 „Es kann nicht immer alles nach Deinem Kopf gehen!“ „So wirst Du kein Leben führen können!“ „Pass Dich doch mal an, das geht jetzt nun mal nicht anders!“ Als wäre man in etwas reingetreten, das man trotz aller Versuche vom Schuh nicht mehr abbekommt! In jedem Raum, den man neu betritt, kann man sie „riechen“, noch bevor sie Zeit hatte, durch die Luft zu steigen. Das Gefühl einer Stimme, die man nicht hört, und von der man doch weiß, was sie flüstert. Eine Stille des Anpassungs- und Mitmachdrucks, die mancher dachte mit den Eltern überwunden zu haben. Stille, deren Worte man zerlegen und ihren Mund gerne zurückstopfen würde – wenn sie welche gesagt hätte. Denn nur selten äußert sich die Forderung verbal, und doch ist ihre Befehlsgewalt Atem-raubend. Und wir sind ständig von ihr umgeben.

Foto: Uzziel van Baalson

Alles macht mit und läuft in einem strukturfördernden Takt. Eine Struktur, die nur davon lebt, dass jeder wie ein Zahnrad mitmacht.

Die Maschine, vor der auch Georg Friedrich Jünger warnt, ist kein neutrales Tool, das man in die Hand nimmt, besitzt und beherrscht. Es ist ein Artefakt, das wie später bei Walter Benjamin aus dem Menschen als Schöpfer einen Bediener, einen Teil seiner Struktur macht und so auf ihn zurückwirkt. Nicht nur praktisch in der Tätigkeit, sondern auch geistig. Der Mensch dient dem Industrizismus der Skalierbarkeit, der Massenorganisation, der Relativität der Möglichkeit: denn größer und mehr wird zu besser und ersetzt Qualität in einer Steigerung, die kein menschliches Limit kennt. Diese wächst über sich hinaus. Pink Floyd vertont mit welcome to the machine ein Gefühl stets spürbarer aber dennoch schwer greifbarer Kopräsenz und verleiht ihm so einen wunderbar nachvollziehbaren musikalischen Ausdruck. Was vorher außerhalb der Wortfassbarkeit stand, wird so (an-)greifbar. Ein System, das Menschen funktionalisiert und durch den Zwang der Anpassung an Möglichkeit fast jede Individualität absorbiert. Denn jede Technik ist ein Gewinn an Möglichkeit, die im Gegenzug eine Anpassung an sie fordert. 

Zum 50. Geburtstag des Albums  „Shine on you crazy Diamond”, auf dem „Welcome to the machine” der zweite Song ist,  hat Sony Music Pink Floyd eine neue Verkaufs-Landing-Page spendiert: mit einem Gedicht des britischen Poeten Simon Armitage, viel Musik (Download oder Streaming über alle Streamingdienste) und dem themachinepinkfloyd-Playlist-Generator.

Alles Quatsch! Da gibt es kein „System“! Wir hören doch auch alle die Gegenstimmen! Denn alles abzutun, was schwer zu formulieren ist und uns aufhält, ist immer die einfachste Methode, um Zweifel zu zerstreuen. Am besten mit Worten wie „Verschwörung“. Als würde alles Größere, das sich ereignet, den Drahtzieher, den Puppetmaster implizieren, der fein säuberlich alles durchgeplant hat. Oder „Ideologie“, ein Begriff, der zum Zauberwort avancierte, nach dessen Nennung keine Begründung mehr folgen muss und man ins Tagesgeschäft, in den Alltagstrott zurückkehren und sich wieder der Gewinn- oder präziser der Umsatzsteigerung widmen darf.  

 

In Zeiten von Big Data und KI wird diese schalllose Stimme lauter. Nachdem wir inzwischen eine KI haben, die für uns Bücher schreibt und Bilder malt, könnte der technische Fortschritt uns endlich eine KI bescheren, die für uns zum Surfen geht und in den Urlaub fährt! Technisch längst gelöst ist, dass sie uns danach erzählt, wie cool es war und uns dazu Fotos schickt. Manch einen mag dies wiederum an menschliche Arbeitskollegen erinnern, die ihm nicht zufällig mit maschineller Wertschätzung begegnen. Da darf man einmal die Frage stellen, welchen Zielen das eigentlich entgegen kommt. Arbeiten wir noch treffsicher an Projekten wie Selbstbestimmung, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde? 

Diesen Punkt am Schuh möchte ich einmal thematisch für den Bereich der Kultur aufrollen. Gerade Künstler und Kulturschaffende sensibilisieren sich genau für die Fähigkeit, das wahrzunehmen, was man im optimierungswütigen Alltag gerne ausblendet: was man vielleicht sogar übersehen will, wird Gegenstand des Ausdrucks. Ist für solch „unvollendete Ausnahmekommunikation“ noch Platz in der technisch perfektionierten Moderne?  

Das Konzert, mit dem Yaris den Launch seines Debütalbums „Kein Plan B” im alten Gasteig in München feierte, war das erste, zu dem sich TL27 offiziell akkreditierte. Der Sohn von Peter Maffay, der mit seinen Freunden vier Jahre lang an dem Longplayer gebastelt hatte, zelebrierte vor seinen  geladenen Gästen die schöne Seite des Musikbusiness: wahre Spielfreude, die auf das Publikum überspringt und allen Anwesenden – darunter auch der stolze Vater vor der Bühne – einen fantastischen Abend bescherte.

Das Konzert, mit dem Yaris den Launch seines Debütalbums „Kein Plan B” im alten Gasteig in München feierte, war das erste, zu dem sich TL27 offiziell akkreditierte. Der Sohn von Peter Maffay, der mit seinen Freunden vier Jahre lang an dem Longplayer gebastelt hatte, zelebrierte vor seinen  geladenen Gästen die schöne Seite des Musikbusiness: wahre Spielfreude, die auf das Publikum überspringt und allen Anwesenden – darunter auch der stolze Vater vor der Bühne – einen fantastischen Abend bescherte.

Ist es nur egoistische Liebhaberei oder kann das gar weg? Muss man noch vom Malen, der Bildhauerei, dem Dirigieren leben können? Wozu Malerei, wenn keiner mehr die Zeit hat, das Bild zu betrachten, um nach tieferem Ausdruck zu suchen. Wozu Filmkunst, wenn Netflix, Prime und Co. Filme schon so drehen lassen, dass man nebenher Kochen und den Haushalt machen kann, wie selbst Matt Damon und Ben Affleck unlängst betonen? Ist Theater, Schriftstellerei – ist Kultur nicht längst die Pferdekutsche des 21. Jahrhunderts? Jedes billige Bluetooth-Handy ersetzt den ohnehin im Können nicht konkurrenzfähigen Auftritt in der Stadt! Man muss nicht Kultur, man muss prompten können! Wozu noch Fragezeichen, wo doch Ausrufezeichen und Punkt vielen schon auf der Zunge wie Filet zergehen, wie die Spannungen um den Mund verraten”.”

Wer jetzt nicht abgeschaltet hat und in der Küche entschwunden ist, weil das Zeichenlimit schmerzt und der Mund schon aufgeregt nach weiterem verlangt, dem würde ich gerne bestätigen, dass es bei diesem Thema um Bedeutendes geht.  

Die Wirkmacht der Maschine zeigt sich nicht in der Gleichförmigkeit unserer Handlung, sondern in den Zielen, die wir uns setzen. Vor allem aber steht sie unserer Diskursmacht diametral gegenüber. Nicht böswillig intendiert, sondern weil die Metapher der Maschine, die versucht in Worte zu fassen, was wir sonst nicht denken können, Ziele hat, die eben nicht durch einen gesellschaftlichen Diskurs gespeist werden und die sich folglich mit unseren dynamisch wandelbaren Zielen reiben. Die Maschine ist keine Pauschalkritik, als die sie oft abgetan wird, sondern der Versuch anstrengende, sich der Wortfassbarkeit entziehende und daher schwer greifbare Veränderungen unserer Denk- und Entwicklungsbedingungen einem Diskurs wieder zuzuführen. Sie ist Ausdruck dessen, was wir realisieren, aber nicht Handhaben können. Kunst und Kultur setzen an den Grundbedingungen unserer Selbstständigkeit, an unserer geistigen Mündigkeit an. Sie wirken der Einseitigkeit des öffentlichen, von Wortfassbarkeit und Argumentationsfaulheit eingeschränkten Diskurses entgegen, also der Gesamtheit der Kommunikationsprozesse in denen wir unsere Werte und Normen und damit unsere Ziele für die politische Willensbildung aushandeln. Denn Werte und Normen muss man auch fühlen können, damit sie Gültigkeit erringen. In unserem Kulturerbe vereinen sich statische Identitätsbildung und dynamische Orientierung. Ein Gedächtnis und die sich damit verbindende Legitimation. Eine Ästhetische Erfahrung, die uns als Teil eines Wandels einfängt. Eine Bewusstwerdung, die zur Handlungsfähigkeit beiträgt. Ein entscheidender Punkt wird dabei gern übersehen: Kultur geschieht nicht nur regional und national. Kultur ist in der Lage politische Aggregatszustände der Interessenströme zu überwinden, indem sie Menschen überzeugt. Sie ist keine nationale Angelegenheit und kann nur durch internationale Zusammenarbeit geschützt werden, wie Francioni und Vrdoljak betonen. Kultur ist ein Projekt der Menschheit!  

Wem das zu hoch gesungen ist, für den leg’ ich gern noch eine Schippe drauf: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir im wesentlichen zwei Türschlösser angebracht, um uns vor einem dritten zu schützen: Eine UNO, die sich durch die Kurzsichtigkeit und Nutzennähe verschiedener Staaten als zahnloser Tieger entpuppte und die Erklärung der Menschenrechte. Letztere hat in die Kultur Einzug erhalten und im Zuge des zivilgesellschaftlichen Engagements und der Mobilisierungen sogar an Bedeutung gewinnen können, auch wenn der Erfolg sich von wünschenswerten Zielen noch stark unterscheidet. Aber es ist auch hier ein stetiges Ringen um Wortfassbarkeit und Zielvorstellungen.  

 

Aber im Bereich der Kultur lässt sich leider der Einfluss der „machine“ klar zeigen. Und ja: bleiben wir ruhig bei der Metapher der „machine“, denn sie ist weitaus fassbarer und tragfähiger und näher an der Problematik, als die inzwischen im Definitionskampf verengten Bedeutungen von Wörtern wie Kapitalismus, System, Ökonomie etc., die oft der Selbstinszenierung zum Opfer fallen. Sichtbar wird dieser Einfluss in der Erklärung der Menschenrechte in einem definitorischen Kampf, der eine gewisse ökonomische Nähe vermuten lässt. Als die Erklärung der Menschenrechte 1948 als Zielsetzung in die Welt entlassen wurde, wurde im Art. 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) das Recht auf kulturelle Teilhabe als ein aktives Recht verstanden.

Es ging um eine schöpferische Teilhabe, um das Recht, seine Sicht in die Öffentlichkeit einzubringen. Eine Integration der Sichtweisen – und zwar staatlich gesichert. Und es ist genau die 27, die in TL27 vorkommt! Kennen sie nicht? Ein guter Zeitpunkt das Logo auf dieser Seite länger zu betrachten! Auch dann, wenn etwas nicht klar fassbar mit Worten war, hatte man das Recht, es in den öffentlichen Diskurs einzuspeisen. Als der 1966 verabschiedete und als „Sozialpakt“ bekannte Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte 1976 in Kraft trat, sollte er genau diese Rechte in Art. 15 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (IPWSKR) konkretisieren und den Schutz umsetzen.

 

Das, was sich jedoch in den folgenden Jahren definitorisch daraus entwickelte, kann man wohl nur wohlwollend mit Daniel Paulys Worten als „shifting baselines“ beschreiben. Denn der UN-Sozialpaktausschuss definiert Teilhabe vor allem als Zugangsrecht, als Verfügbarkeit – also eine passive Konsumierbarkeit. Damit dürfen sie Kultur sniffen, rauchen, trinken, glotzen, futtern, aber nicht geschützt wäre somit ihr Wille Kultur zu gestalten. Wortfassbar gut? „welcome to the machine“!  Denn was ist ein Schutz der Kultur, wenn nicht das Recht auf aktive Gestaltung?  Das Bild, das sich einem solchen Schutz der Kultur entnehmen lässt, möchten wir hier einmal verdeutlichen. 

KI Bild der dystopischen Überspitzung einer Konsumkultur

Und genau deshalb möchte ich im Folgenden gern einmal erklären, warum KI Euch aktive Kulturschaffende genauso wenig ersetzt, wie ein mp3 Player – Entschuldigung! – wie ein Handy und der beeindruckend monumentale Bildschirm-Koloss an der Wand kein (zugegeben oft unausgereiftes) Konzert in Eurer Metropole oder Eurem Dorf ersetzt! Obwohl er es fast in Lebensgröße abbildet. Denn diese Befürchtung ist Kind unsäglicher Eltern: des Industrizismus und des Materialismus. Kultur ist mehr als sehen und gesehen werden, mehr als abends weggehen, selbst Spaß haben ist nur ein ganz kleiner Teil. Kunst und Kultur sind nichts, das man wie eine Matheaufgabe „halt dann versteht“. Sie sind etwas, das die emotionale, körperlich-physische und kognitive Ebene in uns verflechtet. Wir erfahren den Anderen als Einheit dieser Ebenen und gelangen durch intersubjektive Wahrnehmung mit einer beidseitigen Spiegelung zu einer geteilten Veränderung.   

Der Werbejingle im Fahrstuhl bringt selten intersubjektive Veränderung. Dazu sind Authentizität und leibliche Präsenz notwendige Voraussetzungen. Die Erfahrung des Gemeinsamen ist ein Diskursanker, gerade weil die Präsenz des Gegenübers spürbar ist. Walter Benjamins Begriff der Aura in der Kunst erlebt eine erneute mediale Präsenz, weil sie die körperliche Präsenz, die historische Assoziation in den Originalen der Kunst verortet. Das Museum lebt davon, dass man der Präsenz des Künstlers nachspürt, nicht davon, dass die Auflösung besser ist. Das Augenscheinliche, das Hörbare überträgt das Handy, die Spürbarkeit der Präsenz nicht. Hätten sie jetzt doch den größeren Bildschirm gekauft: der könnte das auch nicht! Präsenz ist notwendig, damit wir ein Gemälde, eine Skulptur oder eben ein Musikstück mit unseren Sinnen erfahren. Kultur ist Erfahrung – der Festschmaus der Sinne! Deshalb verkümmert bei Benjamin das Kunstwerk in seiner technischen Reproduktion und entzieht sich der Sinnstiftung, der Bildung eines eigenen Narrativs, einer eigenen Zielvorstellung. Wer Visionen hat sollte nicht zum Arzt gehen, wie Helmut Schmidt geglaubt hat, er sollte Kultur schaffen! Gut, wer keine hat, dem kann der Arzt auch oft nicht helfen, der steckt halt in einer Sinnkrise. Aber er könnte mal wieder abends weggehen! Denn Kunst und Kultur erschaffen in einer Welt, in der durch Arbeitsteilung, Spezialisierung (das ist nicht das gleiche!) und die computerisierte Heimberieselung die Erfahrung geteilter Lebenswirklichkeit ausdünnt, wieder einen Gegenpol. Die Erfahrung, dass wir Teil von etwas Lebendigem sind! Dass die Vorstellung eines latenten Krieges aller gegen alle, für die Thomas Hobbes immer herbeizitiert wird (und gegen die er sich verstorbenermaßen nicht wehren kann, obwohl er sie streng genommen nicht unterschrieben hätte) eben nicht Realitäts-beschreibend ist. Erst das ist der Einstieg in „absolut gains“, in die Erfahrung, dass man zusammen etwas erreichen kann und nicht in einen Rahmen der Konkurrenz verdammt ist. Eine Empfindung, die nur allmählich wächst und die immer wieder Bestätigung durch Präsenz braucht.  

Das alles kann der YouTube Abend, nachdem man von dem neuen Handy oder einem anderen Lippenstift überzeugt ist, nicht liefern. Menschen können etwas machen, etwas ändern! Du und diese Person, mit der Du Dich immer unterhalten wolltest – nicht nur „dead inside, but still horny“ - ihr könntet etwas erschaffen!

Nur durch Kulturerfahrung, durch die Erfahrung, dass andere Menschen auch enttäuscht, sauer, deprimiert, aber eben auch fröhlich, zufrieden und glücklich sind, entkommen wir der Maschine und ihrer Alltagserfahrung ständig geforderter Anpassung und Optimierung, die unsere normative Sensibilität erkalten lässt. Es sind genau diese Begegnungen, diese Rituale, die in uns eine eigene Identität und eben nicht Anpassung entstehen lassen. Und damit kommen wir nach zugegeben anstrengend langem Text zu dem wichtigsten Punkt, um dem es in unser aller Leben geht und damit zu der Auflösung einer vermutlich längst vergessenen Überschrift: Es geht um Euch, meine werten Kunst- und Kulturschaffenden, LeserInnen, Diskussionswütigen, WeggeherInnen, ZuhörerInnen und AndersdenkerInnen!  

Auch wenn uns eine in den letzten Jahrhunderten erlernte Denkweise immer wieder einbläuen und vormachen will, es ginge um die Produkte, die wir schaffen: das Album, das Bild, die Statue, das Buch und vor allem um jene, die wir kaufen, um Identität zu erlangen. Dass es um Umsatzsteigerung, um Zahlen ginge – das ist schlicht zu kurz gedacht! Es geht um das, was bei dem Prozess des Schaffens bei uns intersubjektiv entsteht. Kein Material, kein Ding das hinten rausfällt, sondern um das, was wir gemeinsam erfahren.  

 

Kein Mensch geht auf ein Konzert, nur weil dort gute Musik vom Band läuft und ein Avatar auf dem Bildschirm perfekt tanzt. Es muss uns an den Musiker, an den Künstler, an den Kulturschaffenden herantragen. Und das „noch nicht“ hab ich jetzt gehört! Es geht nicht darum im Städtle so gut zu spielen wie jemand anderes auf seiner Aufnahme. Und klar, Können hilft. Aber nur gegen eine andere Präsenz. Kein Mensch wählt einen Avatar, weil er so gute Argumente liefert! Manchmal habe ich sogar Zweifel, ob Argumente Teil der Wahl sind. Es geht immer um die Erfahrung eines Menschen mit seiner Authentizität, das Gefühl mit dem Gegenüber verbunden zu sein, wenn man moralische Autorität verleiht. Das Sich-selbst-im-Anderen-wiederfinden. Wenn KI das, was ihr bisher gemacht habt, besser kann, konzentriert Euch auf den Moment, in dem ihr auf einen Menschen trefft. Denn KI simuliert nur, ihr seid dort nicht wegzudenken! Und es ist gut, dass es immer mehr um Kommunikation, nicht um Produkte und Massenerstellung geht. Denn Ihr seid da Experte, liebe Kulturschaffende und Künstler! Und noch besser: Eure Sichtweise zählt! Und sie kann immer Teil des Diskurses werden.  

 

Sterbt nicht ab – lebt!  

Und genau deshalb ist Kultur so bedeutsam. Sie prägt die Erfahrung unserer Lebenswirklichkeit, unserer Gemeinschaft, unserer Mitwelt, unsere Ziele und nicht zuletzt ein Gefühl für Lebenssinn. Und das ist nicht hoch gesungen – das ist dick! Selbst nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist Kultur einer der größten Sektoren und ein signifikanter Wirtschaftszweig mit zudem einer der stärksten Beschäftigungsrate. Eurostat, das statistische Amt der EU spricht 2022 von 2.03 Millionen Kulturunternehmen, was 6,3% aller Unternehmen ausmachte mit einer Wertschöpfung von 199 Milliarden €, 2% aller Wirtschaftlicher Wertschöpfung. Ihr seid eine verstreute gesellschaftliche, wirtschaftliche und das will ich nochmal betonen: politische Macht!

Lasst Euch keine Politik diktieren – schließt Euch zusammen – werdet endlich politisch!

Lasst Euch Menschenrechte nicht wegdefinieren, setzt sie! Singt sie, malt sie, meißelt sie in Stein! Lasst Euch nicht eine Anpassung an eine Lebensvorstellung vorgeben, fordert Eure Lebensvorstellung ein. Und lasst Euch nicht mit einem Hungerlohn abspeisen! Denn Ihr sitzt an der Quelle! Da wo Reichweite, Lebenswirklichkeit, Ziele, das Gefühl, dass Eure Forderungen Sinn machen, moralische Autorität, ja der Diskurs von Gesellschaft und Gemeinschaft entsteht!

Und wir von TL27 hoffen, dass wir Euch begleiten können.

Mit Euch, gegen den Strom und ohne Paywall!

Denn es geht nicht um Dinge, nicht um Umsatz (der erbärmliche Schatten, der gerne echter Gewinn wäre), nicht um Konkurrenz – es geht um Euch!