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Kultur im Fokus

München, 26. Februar 2026
Update: 27. Februar 2026
Redaktion:

Günter Maria Bregulla

und

Gregor Zimmermann

 

Was wir wollen

TL27 – Auf den Spuren der Gesellschaft die Kultur im Fokus

Kulturpolitik ist bei uns ebenso zu Hause, wie der Bericht über das neueste Bühnen-Gear, das auf einer europäischen  Gitarrenmesse vorgestellt wird. Ihr könnt Euch in lange Interviews mit Tiefgang versenken oder einen schnellen Überblick über ein Kernthema verschaffen. Ob Hochkultur, Kleinkunstbühne, akademische Expertise oder feinsinnige Analyse – wir hören zu und mischen uns ein.

Welcome to the machine: Wir sind ständig von ihr umgeben. Alles macht mit und läuft in einem strukturfördernden Takt. Eine Struktur, die nur davon lebt, dass jeder wie ein Zahnrad mitmacht.

„Kultur im Fokus” lautet das erste Schwerpunktthema in der Erstausgabe von TL27. Gregor Jan Zimmermann hat dazu den Leitartikel geschrieben. Er meint:„Wir müssen reden. Es geht um Euch! – um jene, die Kultur tragen, Gesellschaft formen und Politik ertragen. Zwischen Statistik und Schicksal, zwischen Documenta und Menschenrechten, zwischen Gesetzesentwürfen und Lebensrealitäten zeigt dieser Artikel, wie Debatten an Menschen vorbeiziehen – und warum es Zeit ist, ihre Stimmen ins Zentrum zu rücken.“

Rund um diesen Kern haben wir – wie bei jedem Schwerpunktthema – einen Themencluster aufgebaut. Dieses Paket aus mehreren Artikeln, Fakten und Links, die den Kern des  Themas, welche Bedeutung Kultur für eine Gesellschaft hat, aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.

Damit ihr Euch in den umfangreichen Schwerpunktthemen zurecht findet, hat jeder Cluster eine Landkarte, die Euch zeigt, in welcher der drei Kategorien die Satelliten-Beiträge zu Hause sind:

  1. Wollt Ihr Euch dem Thema unterhaltsam nähern, findet ihr Beiträge im Bereich Entertainment. Diese sind in unserem Farbsystem neongelb gekennzeichnet.
  2. Seid ihr es gewohnt Euch beim Lesen zusätzliche Informationen zu holen, leitet Euch die orange Kennzeichnung zu Erfahrungsberichten, Fakten, Daten, Zahlen oder anderen relevanten Informationen im Bereich Observation.
  3. Reflection heißt die dritte Stufe, zu der Euch die neongrüne Kennzeichnung führt. Diese Artikel oder anderen Beiträge gehen in die Tiefe, ordnen das Thema ein, analysieren – häufig auf akademischem Niveau.

Diese Clustermap (rechts) findet ihr auch im Hauptmenü, passend zum jeweiligen Schwerpunktthema. Im Hauptmenü kommt ihr direkt zu den jeweiligen Beiträgen. Aber egal, für welchen Einstieg ihr Euch entscheidet, jeder Beitrag hat Sprungmarken, die Euch zu verwandten Artikeln, Fakten oder anderen Beiträgen leiten.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Eintauchen in unsere Schwerpunktthemen und würden uns über Euer Feedback freuen. Schreibt uns, wie ihr dieses System findet, ob ihr es unterhaltsam, spannend oder störend findet.

Lernt die TL27-Macher kennen

Die beiden Redaktionsleiter von  TL27, Günter Maria Bregulla und Gregor Jan Zimmermann, stellen in ausgiebigen Diskussionen ihre Vorstellungen des idealen Kulturmagazins auf den Prüfstand. Während ersterer bisher vor allem aus Industriesicht auf die verschiedenen Kunstsparten geblickt hat, pflegt sein Geschäftspartner als Geisteswissenschaftler intensive Kontakte in die Undergroundszene. Gemeinsam haben sie  durch ihre langjährige  Beschäftigung mit Kunst – Gregor ist Musiker, Filmer und Fotograf während Günter mit Begeisterung malt und immer wieder Kunstbücher kreiert – großes Verständnis für die Situation und Sichtweise der Künstler. Deshalb war ihnen auch wichtig, nicht nur Journalisten zu Wort kommen zu lassen, sondern mit den TL27 Ambassadors Botschafter zu haben, die immer wieder die Künstlersicht zum Ausdruck bringen. 

Gregor: Mich stört immer wieder, dass auch in der Kultur so oft über Produkte gesprochen wird – aber so selten über die Menschen. Dabei kommt es auf den Musiker oder den einzelnen Künstler und seine Sicht an. Das Produkt ist ein Hilfsmittel sich dem Künstler zu nähern, ihn zu verstehen. Es  geht schließlich um Erfahrung, um Ausdruck, um Beziehung und um Sichtweise.

Günter: Klar sind die Menschen wichtig. Aber die Industrie hat in der Vergangenheit schon auch eine wichtige Funktion gehabt: Sie hat Künstler aufgebaut. Ohne sie wären viele Megastars unbekannt geblieben.

Gregor: Aber in industriellen Strukturen wird nicht Kunst und kulturelle Tiefe gefördert, sondern Profit. Sichtbarkeit ist kein Synonym für Bedeutung.

Günter: Ich finde halt, dass beides dazu gehört. Wir brauchen eine boomende Underground- oder Amateurszene, aus der diejenigen herauswachsen, die später industriell gefördert werden. Aber Du hast schon recht. Der kommerzielle Gedanke darf nicht im Vordergrund stehen.

Gregor: „Gefördert werden“ ist bereits ein industrieller Begriff. Er impliziert, dass jemand von außen entscheidet, was ein Investment wert ist. Das Problem ist: Wenn die Kunstform selbst die Logik des Marktes übernimmt, kann sie auch nicht mehr aus dieser Logik herausführen. „Es geht um Euch.“ Ist ja erst ein Einstieg.  Kultur muss anders gedacht werden, um Gesellschaftliche Entwicklung wieder stützen zu können.

Günter: Aber Erfolg ist auch wichtig. Ein Künstler braucht eine Bestätigung! Und wenn Millionen Menschen ein Werk kaufen, hat es doch offensichtlich eine gesellschaftliche Relevanz. Es hat einen Wert generiert, der messbar ist. Und es braucht schließlich Messbarkeit, um Bedeutung zu erklären, so wie wir in unserem Magazin mit harten Daten und Statistiken zeigen müssen, was es heute bedeutet, als Künstler zu leben und zu arbeiten. Ein Fakten-basierter und kritischer, und somit realistischen Blick auf den Status quo in verschiedenen Kulturen.

Gregor: Natürlich braucht sie Ressourcen. Aber nicht zwangsläufig Rendite. Du setzt Wert mit Verwertbarkeit gleich. Viele Kulturen haben über Jahrhunderte Kunst hervorgebracht, ohne sie in Wachstumslogik zu pressen. Unsere gesamte Wirtschaft ist hingegen auf ein „Immer Mehr“ ausgelegt, auf Expansion und Akkumulation. Global bedeutet das Konkurrenz und schließlich ein Ignorieren der harten Grenzen des Wachstums. Wenn wir in globaler Mitwelt Grenzen überwinden wollen, brauchen wir neue Lebensentwürfe, die ohne das Dogma des Profitstrebens funktionieren. Ein neues Denken. Wo soll das herkommen, wenn jeder Künstler nur noch darüber nachdenkt, wie er seine Reichweite monetarisiert?

Günter: Ein Orchester, ein Filmset, eine Galerie – das kostet Geld. Wo kommt das her ohne Rendite? Ohne Überschuss gibt es keine komplexe Kultur.

Gregor: Von Kooperation. Von geteilter Verantwortung. Überschuss ist nur eine historisch gewachsene Variante. Früher hat sie Wohlstand geschaffen. Aber inzwischen ist Überschuss nicht mehr so tragfähig. Er bedeutet globale Konkurrenz und ein stetiges Investieren ausschließlich in die größten Industrien, um Marktbeherrschend zu sein. Das ist das Paradoxon der Industrie. Du sagst eigentlich, wir brauchen den Profit, um Kultur zu ermöglichen. Aber dieser Profit erzwingt eine Standardisierung, die selbst Bürgerinteressen überschreibt. Ein Produkt, das sich „rentieren“ muss, darf zudem kein echtes Risiko eingehen. Es muss massentauglich sein, es muss skalierbar sein.

Günter Maria Bregulla
Gregor Jan Zimmermann

Günter: Und was ist daran falsch? Risiko ist nicht sinnvoll und Skalierbarkeit bedeutet, dass viele Menschen Teilhabe haben.

Gregor: Es bedeutet, dass die Kunst sich dem Diktat der Effizienz unterwirft. Damit haben wir aber ein System-immanente Einschränkung: Kultur ist wesentliches Fundament gesellschaftlicher Innovation. Aber Innovation bedeutet ausprobieren. Kultur ist oft verschwenderisch, langsam und ineffizient – sie ist ein Selbstzweck, kein Mittel zum Zweck. Sie darf eben nicht für Profit instrumentalisiert werden, weil sie sonst beispielsweise keine Möglichkeit hat, an genau dieser systematischen Engstelle Kritik zu üben. Sonst reproduziert sie, anstatt alternativen zu entwerfen.

Günter: Aber ohne einen wirtschaftlichen Rahmen würde die Kunst doch in die Bedeutungslosigkeit schrumpfen. Wer soll die Künstler ernähren?

Gregor: Das ist die Angst des Industriellen. Du kannst dir ein Leben ohne Akkumulation nicht vorstellen. Wenn Kunst sich aber dem kommerziellen Gedanken entzieht, kann sie uns lehren, was „Genügsamkeit“ oder „Resonanz“ bedeuten – Werte, die man nicht steigern muss, um sie zu genießen.

Günter: Du forderst also eine Kultur der Askese?

Gregor: Nein, eine Kultur der Fülle, die nicht auf materiellem Zuwachs basiert. Solange wir Kultur als Industrie begreifen, füttern wir denselben Motor, der uns gerade gegen die Wand fährt. Wir brauchen keine „Kreativwirtschaft“. Wir brauchen Kreativität als Gegenentwurf zur Wirtschaft.

Günter: Das klingt nach einer Utopie, die in der Realität verhungert.

Gregor: Vielleicht. Aber lieber in einer Utopie hungern, als in einer Industrie zu ersticken, die keinen Ausgang mehr kennt, weil sie verlernt hat, sich etwas vorzustellen, das nicht verkauft werden kann.

Günter: Wenn ich dich richtig verstehe, ist die Kunst für dich also die letzte Instanz, die nicht nach dem „Return on Investment“ fragen darf?

Gregor: Sie muss die Instanz sein, die das Konzept des „Investments“ an sich infrage stellt. Nur wenn die Kunst frei vom Wachstumszwang ist, kann sie uns zeigen, wie wir als Menschheit überleben, wenn die Party des ewigen Wachstums vorbei ist.

Günter: Wir haben schon unterschiedliche Sichtweisen, die wir in TL27 zusammenbringen wollen!

Gregor: Aber auch einen gemeinsamen Nenner. Wir stehen klar an der Seite der zahlreichen Künstler und Musiker, die nicht die Lobbymöglichkeiten der Wirtschaft haben.

Günter: Damit ist TL27 mehr als ein Magazin, es kann zu einer Plattform werden, die Chancen bietet. Spätestens dann, wenn die beiden anderen Bereiche von TL27 an den Start gehen: Gesellschaft und Politik.

Gregor: Ja, aber das haben wir eigentlich jetzt schon. Wir verzahnen gedanklich Kultur, Gesellschaft und Politik.

Günter: Ich sehe TL27 vor allem als Angebot zum Gespräch. Mit gesunder Diskussionskultur! So wie wir beide uns am liebsten verbal schlägern! Aber Du musst lernen kürzer zu reden! Kannst Du nicht die Sachen einfach mehr auf den Punkt bringen?

Gregor: Nein!

Günter: Na bitte! Geht doch!

Artists have to stay calm, focused, and do what we always do — make art that speaks for those in need.

Die globale Perspektive: Blick auf die Situation in den USA

Sie ist unsere Botschafterin in den USA, die britische Schauspielerin, Autorin und Aktivistin Joanna Pickering. Und sie weiß, wie die Stimmung unter den Kreativen in den USA ist. TL27 hat nachgefragt. (Auszüge. das ganze Interview in deutsch gibt’s hier.)

Wie wirkt sich das polarisierte Umfeld auf die kreative Landschaft in den USA aus?

Es gibt viele Störgeräusche, vor allem online. Es ist so ermüdend, unter diesen Umständen kreativ zu arbeiten. … Wir sind in den Armen einer verrückten Gesellschaft gefangen, in der Schuldkultur, Cancel Culture und Verleugnungskultur auf beiden Seiten herrschen, und die Waffe ist Social Media. Alles wird Propaganda, und die Leute sind Marionetten darin, ohne es zu merken. Während es berechtigt wirkt, online Empörung auszudrücken, polarisiert das das Problem immer mehr. Das machen Algorithmen. Dazu kommt, dass niemand mehr als die erste Zeile von irgendwas lesen kann. Es gibt nirgendwo mehr kritisches Denken, was der Kern von Kunst, Philosophie und einem demokratischen zivilisierten Land ist. Dadurch wird der kreative Output geschädigt – die Gesellschaft verdummt und das freie Denken wird zensiert.

… Was in den USA passiert, ist, dass Kunstförderungen und Finanzierungen gekürzt werden, was Künstler und die erzählbaren Geschichten direkt betrifft.

… Aber wieder läuft es auf dieselbe Rebellion der Kreativen hinaus. Wir hatten es nie leicht, wir gedeihen in Widrigkeiten und prosperieren gegen alle Chancen immer wieder. Das werden wir jetzt auch. Künstler müssen ruhig bleiben, fokussiert und tun, was wir immer tun – Kunst machen, die für die spricht, die sie brauchen.

Gleichzeitig haben viele Menschen mit Migrationshintergrund  … Angst vor dem, was mit der Strafverfolgung passiert. Wie  nimmst Du dies als Britisch Künstlerin in den Vereinigten Staaten wahr?

Die Situation ist angespannt. Du fragst das eine Immigrantin in den USA. Sagen wir einfach, ich bin vernünftig vorsichtig, wenn ich Interviews gebe… Allerdings habe ich keine Angst zu sagen, dass ich stark für das Leben, die Sicherheit und Gerechtigkeit aller Bürger empfinde, einschließlich Immigranten … Diversität war immer der Rahmen unserer größten und lebendigsten Städte, … Am Ende des Tages liebe ich Amerika. Ich bin sehr stolz, dort zu arbeiten, aber wie überall auf der Welt ist die aktuelle politische Landschaft stressig. Ich will nicht über Politik reden müssen. Ich will meinen Job machen und Kunst schaffen, die mit den kulturellen Werten übereinstimmt, die ich vertrete.

Der historische Kontext: Künstler und der Staat

Die Geschichte ist voll von Künstlern, die sich als Korrektiv des Staates verstanden haben – von der offenen Rebellion bis hin zur subtilen Satire haben sie ihre Werke als Waffen oder Schilde benutzt.

Folgt uns auf eine kurze  Reise durch die Zeit mit prägnanten Beispielen für diesen Widerstand: