Hochkultur im Partyfieber
Flammen schlagen aus dem kultigen Bau, Rauch hüllt die bunten Fassadenelemente ein. Ist da gerade wieder ein Pariser Kulturdenkmal in Flammen aufgegangen?
Wäre nicht überall Partyvolk, das sich an dem Spektakel erfreut, man könnte meinen, die Grand Nation trifft nach dem Brand von Notre Dame die nächste Katastrophe, eine weitere nationalen Legende des kulturellen Erbes gehe in Flammen auf..
Doch das Centre Pompidou, das Pariser Kulturzentrum mit der bunten Glasfassade, wird nur renoviert. Allerdings fünf Jahre lang – und damit genauso lang wie der Wiederaufbau der Kathedrale auf der Île de la Cité. Und der Grund ist auch eine kleine Katastrophe: Krebserregendes Asbest muss entfernt werden. Bei der Gelegenheit wird auch gleich der gesamte von den Architekten Renzo Piano, Richard Rogers und Gianfranco Franchini entworfene Bau energie-effizienter gemacht. Das Ganze dauert bis 2030 und soll knapp eine halbe Milliarde Euro kosten. Kleiner Funfact am Rande. Auch der Bau damals hatte ganze fünf Jahre gedauert, bis das Beaubourg, wie das Centre Pompidou im Volksmund auch genannt wird, am 31. Januar 1977 eröffnet werden konnte.
Am 24. und 25. Oktober stieg anlässlich dieser Zäsur in der Pariser Hochkultur die größte Party, die die französische Hauptstadt je gesehen hat: Wo sonst ein Museum, eine Bibliothek, ein Musikinstitut, eine Kinderwerkstatt, Kinos und Theatersäle auf acht Etagen untergebracht sind, wurde an zwei Tagen jeweils von 11 Uhr morgens bis 5 Uhr früh unter dem Motto “Because Beaubourg” eine ausschweifende Party gefeiert: über dreißig Artists legten auf oder spielten live. Dazu gab es Masterclasses, begehbare Installationen und sogar eine Rollerdisko durch das Museum. Ein würdiger Abschied für die alte Dame, die nach 2030 wieder in neuem Glanz erstrahlen soll.