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Ein wunderbarer Irrweg

Paris, 1. Februar 2026
eine Wanderung mit

Uzziel van Baalson

Paris, 1. Februar 2026
eine Wanderung mit

Uzziel van Baalson

Paris, „ville lumière“ – Stadt des Lichtes!

Stadt des Lichtes! – Nicht nur wegen der frühen Einführung der Straßen-beleuchtung, hier flüchteten Voltaire (1716 und 1726), Rousseau (1762), Condorcet (1793 und 1794) und Madame de Staël (1803)! Paris war der Motor der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Veränderung! Ein pulsierender Magmakessel der Ideen, der Druckereien, der Debatten, der Debattiersalons. Man mag kritisieren, dass manch einer dabei den Kopf verlor. Aber das ist wohlfeil ohne Verhältnisbildung aus der Argumentation gezogen! Wie wäre über Jahrhunderte gelebt worden, wie würden wir heute leben, was wäre Europa ohne die Visionäre und Denker, die zu ihren Ideen standen? Und Paris ist Epizentrum, eine „Capitale“ der Kultur, mit der höchsten Dichte an Theatern und Kinos bis heute. Paris ist Superlative! Sie hat mehr Cafés pro Fläche, als jede andere europäische Stadt. Eine Stadt des Flanierens! Es ist die dichteste Stadt. Nicht nur beim Autofahren, Paris hat 20.000 Einwohner pro km². Eine Stadt der Schönheit! Paris hat die meisten Flagship-Stores großer Luxusmarken, die größte Modewoche Europas, die höchsten Konzentration von HauteCoutureHäusern! 

Eine Stadt der Liebe! Sie gilt als Europas Hotspot für verschenkte Luxus-Handtaschen – und des Handtaschenraubes. Glaubt man Radical Storage ist Paris mit 16,5 Prozent aller Taschendiebstahls-meldungen glatt Welthauptstadt.  

Aber so ist das eben mit der Liebe, sie ist umgarnt von Widersprüchlichkeiten. Das bricht Paris keinen Zacken aus der Krone! Sie ist die Stadt der Kunst mit der höchsten Rate an Ausstellungen und Galerien. Wen es annähernd in die Nähe verschlägt, dem empfehlen wir auf alle Fälle einen Besuch – bei dem man lohnenswerterweise das Geld frühzeitig ausgibt. Kein Wunder, dass Paris weltweit immer wieder Spitze des Tourismus und der Besucherzahlen ist. Allein der Louvre zählt 8-10 Millionen Besucher pro Jahr – Einbrecher nicht mitgezählt. Wer bei der Zahl sein Croissant nicht herunter bekommt, für den habe ich zehn inspirierende Stellen abseits der touristischen Ameisenstraßen herausgesucht.

Ein Paris, das man auch entdecken will!


Los geht’s:

Station 1:

Wir beginnen unseren Rundtrip in der Rue Monge 49, mit der Arena von Lutetia, einem Ort an dem man im Sommer die folgenden Tage planen und manchen Theaterproben lauschen kann. Man kann sich sammeln für das, was kommt. Lutetia, so nannten Asterix und Obelix die Stadt – 3 Jahre bevor sie bei Gaius Julius Cäsar Erwähnung fand. Nachdem er von Lutetia als von einer Insel sprach, vermuten viele die Île de la Cité als damaliges Zentrum. Heute ist das Zentrum natürlich ein paar Straßen weiter.

Station 2:

Und damit sind wir schon in der Rue Biscornet No 9., dem Supersonic. Dieses Jahr findet, von hier aus organisiert, übrigens vom 14.05 bis zum 16.05.2026 wieder das Block Party Festival statt, le festival Rock de la Bastille! 

https://supersonic-club.fr/block-party-festival/  

Hier findet ihr Eure lang ersehnte Post-, Prä-, Noise-, Indie-, Crank-, Psy-, Poprockpunkwave Musik, die ihr das ganze Jahr über zermisst habt! Im Überschall, dem Supersonic, könnt ihr alles wieder aufsammeln! 

Station 3:

Wem das zu laut war, obwohl er immer noch nicht genug hat, dem empfiehlt sich am Folgetag die rue de Rivoli 59. Schon die Außenfassade ist ein stiller Schrei nach alternativer Kunst. Ein Tempel der Experimente, ein Ort erbetener Diskussion, der einen in Internationalität und stetigen Wechsel der Ideen hineintaucht. Das 1999 von Francesco besetzte Haus zog die Blicke der Öffentlichkeit noch vor denen der Polizei auf sich und konnte sich so einen, den Interesse der Stadt mitdienenden „bewaffneten Frieden“ erkämpfen.

Station 4:

Weiter geht es in die Rue Catherine de la Rochefoucauld 14, zum Musée Gustave Moreau, das der Maler 1895 einrichtete. Hier warten 3 Stockwerke mit ca. 1200 Gemälden. Skizzen, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen und nicht zuletzt der aufwendig verzierten Wendeltreppe und den Einrichtungsgegenständen, auf die jeder Punk-Bandraum stolz wäre und die vermutlich keine Bandprobe überdauern könnten. Zierlichkeit in Reinkultur, also bloß nicht zu fest anschauen!

Station 5:

Weiter geht es zur Passage Brady. Dafür müsst ihr in der Rue Rougemont 13 an Archibons Wine Bar vorbei. Nicht schlimm, wenn das am gleichen Tag nicht klappt, es ist ein Ort der Weinentdeckung und des Tastings und es liegt an der 13!  
Die Passage Brady ist schließlich im 10. Arrondissement von Paris eine Begegnung mit indischer und südasiatischer Kultur. Insbesondere wenn es regnen sollte, ist der von Eisen und Glas erbaute Durchgang „little india“ ein idealer Platz um in Gewürzläden und Restaurants das Verschmelzen von Kulturen zu beobachten. 

Station 6:

 Im Point Éphémère, 200 Quai de Valmy, könnt ihr dann den Abend ausklingen lassen. Hier findet ihr all die Bands, die ihr noch nicht kennt, aber schon immer hören wolltet. Gut die anderen auch. Aber es ist wirklich ein sozial engagierter Ort, den man kennen lernen sollte und der keine Zweifel übriglässt, dass man dem Mainstream entkommen ist. Ein Ort, der sich der Förderung aufstrebender Kultur und zeitgenössischer Kreativität verschrieben hat – „mit Unabhängigkeit und Offenheit“. Wenn das nicht eine Einladung ist!

Aktuelles findet ihr im Tagebuch: 

 

  

Station 7:

Entspannte Atmosphäre gibt es dann im Le Hasard Ludique, 128 Av. de Saint-Ouen. Hier findet ihr eigentlich das ganze Jahr über spielerische Kreativ- und Impro-Workshops und das Genre-übergreifende Gespräch mit Künstlern, Fastkünstlern, Kunstein- und Aussteigern, Kunstbesessenen, Kunstvermessenen und denen die bei all dem noch nicht sicher sind. Falls ihr in den Kunst-Dialekten nicht so stark seid, keine Panik: Wo die Hände zu unpräzise sind, hilft Englisch und offensives Lächeln!  

Station 8:

Wenn ihr dann ganz aus- und verartikuliert seid, gibt es La Bellevilloise, in der 19-21 Rue Boyer. Hier kann man erstmal wieder zuschauen. Bei Ausstellungen, Filmvorführungen und Konzerten. Wenn ihr wieder Kraft habt, schaut doch mal bei den Bürgerdiskussionen vorbei, die anschließend in ein Abendprogramm mit  Party überleiten. Einen ersten Einblick findet ihr auf Insta, den Ausblick auf der Seite:

https://www.labellevilloise.com/  

Station 9:

Les Frigos, 19 Rue des Frigos, 13. Arrondissement, ist in einem ehemaligen Industriegebäude (1921) ehemaliges Kühllager. Errichtet durch die Eisenbahn wurde daraus ab 1985 ein Künstler Kollektiv mit ca 200 Künstlern. Eine Bahnreform mit Happy End! Meist gegen Ende Mai gibt es hier Besichtigungsmöglichkeiten, die man nicht verpassen sollte. Denn Les Frigos vereint 87 Ateliers aus verschiedenen Kunstrichtungen. Von Fotografie über Modedesignern bis zu Malern und Bildhauern ist alles vertreten. Aber auch sonst findet man Veranstaltungen, Shows und insbesondere Ausstellungen. Normalerweise Mo-Sa von 14h bis 19h, von 12h bis 15h sogar mit Cantine. Näheres findet ihr hier:

https://www.les-frigos.fr/  

Station 10:

Le Consulat, in der Ave Parmentier 14, ist schließlich der letzte Tipp. Film, Veranstaltungen, Partys, Kabarett – oder, wie am 07.03.26 Las Laternas – Chile im Rampenlicht. Ein Blick auf die zeitgenössische chilenische Kunstszene anhand bildender Kunst, Film und Musik. Zwischen Politik, Kunst und Gesellschaft auf den Spuren von Erinnerung, Identität und Realität – das müssen wir einfach weiterempfehlen! Vor Ort erwarten Euch der Fotograf Hans Andia, Anne-Laure Jullian de la Fuente und Fernanda Lizana für bildende Kunst, Regisseur und Fotograf Mario Capetillo, die Regisseurin Violetta Paus und schließlich die Musikgruppe Los Malditos Orchestra.

  

https://www.leconsulat.org/  

Damit schließt ein wunderbarer Irrweg durch Paris, den ihr im Parc floral de Paris, Rte de la Pyramide vollenden könnt. Ihr habt jetzt alle Busstationen, die Eure Eltern kannten ausgelassen und mehr von Paris erlebt, als das Reisebüro Euch versprechen möchte. Nach so viel Erlebtem – könnt ihr jetzt erstmal so richtig zuhause Urlaub machen und Euch erholen. 

Das ist Paris! Ihr habe es Euch verdient! 

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