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Bildende Kunst

Biennale-Special


Venedig, im Juli 2026
Bericht und Fotos von 

Günter Maria Bregulla

Georg Baselitz: Eroi d'Oro – sein letzter Strich

Er selbst sah diese Ausstellung im Rahmenprogramm der Kunst-Biennale in Venedig  als die Krönung seines Lebenswerkes. Doch war es ihm nicht mehr vergönnt, die Eröffnung der Biennale 2026 zu erleben. Zehn Tage vor dem Start starb 

Georg Baselitz. Seine von der Fondazione Giorgio Cini auf der Insel San Giorgio präsentierten Eroi d’Oro, schlugen einen Bogen zu einer seiner frühesten Serien, den Helden-Gemälden. Diesmal allerdings waren er und seine Frau Elke die Sujets.

„Jetzt, da ich mehr oder weniger am Ende meiner Mal-Aktivitäten bin, dachte ich, ich sollte eine Art Fazit malen. In anderen Worten, die Summe aller Werke, die ich über die Jahre geschaffen habe."

Umgewandelte Energie in den Gallerie dell’Accademia

Zu ihrem 80. Geburtstag bekam Marina Abramović im Rahmenprogramm der 61. Biennale eine Premiere geschenkt: Als erste lebende Künstlerin wurde die Pionierin der Performancekunst mit einer Einzelausstellung in der Gallerie dell’Academia di Venezia gewürdigt. Transforming Energy setzt die radikale Auseinandersetzung der Ausnahmekünstlerin mit Körper, Geist und Zeit in Beziehung zu den kulturellen und ästhetischen Traditionen der Lagunenstadt. Im Mittelpunkt der Schau stehen Abramovićs interaktive Installationen, die den Besucher zur physischen und emotionalen Teilhabe einladen. Diese Steinbetten oder Strukturen mit Kristallen, sollen, so die Marina Abramović, eine „Energieübertragung“ ermöglichen.

La Biennale di Venezia: Der globale Süden beeindruckt

Die durch Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco ermöglichte Rückkehr Russlands in die Giardini von Venedig, der geschlossene Rücktritt der Jury oder die Absage der Eröffnungszeremonie ließen nichts Gutes hoffen. Doch nachdem das Getöse rund um die Eröffnung der 61. Kunst-Biennale abgeebbt war, kamen die im Biennale-Motto In minor keys” versprochenen gedämpften Töne” doch noch zu ihrem Recht. So wurde die Idee einer wirklich globalen Kunstschau der inzwischen an einer Krebserkrankung verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh ein voller Erfolg: 110 bislang vom internationalen Kunstpublikum wenig beachtete Künstler aus Afrika, Asien und Südamerika begeisterten die Besucher mit ihren Werken.

Schon im Zentralpavillon war klar, wo der Fokus der 61. Kunst-Biennale liegt: Überall kamen Positionen aus dem globalen Süden zu Wort. In den Beiträgen aus Afrika wurden ausgiebig Themen wie Fluchtbewegungen oder Kolonialismus und der damit verbundene Raub von Ressourcen verhandelt. Aber auch wenn man in weiten Teilen den Eindruck gewinnen konnte, afrikanische Kunst definiere sich vor allem über Leid, Widerstand und postkoloniale Relevanz, zeigte die Begeisterung in den Augen vieler Besucher, dass sich etwas geändert hat.

In ihrer Farbenpracht und Materialvielfalt  setzen die afrikanischen Künstler einen beeindruckenden Gegenpol zum eurozentrischen Kunstmarkt. Während das westliche Kunstbild immer noch von den Errungenschaften der Renaissance geprägt ist, sind auf dem afrikanischen Kontinent mit seinen 54 Ländern und tausenden ethnischen wie zeitgenössischen Strömungen Abstraktion und Stilisierung dominierend. Emotional und metaphorisch mit Symbolkraft aufgeladen,  stellen viele Arbeiten die eigene Identität zwischen Tradition und Globalisierung in den Mittelpunkt. Dabei bedienen sich die Künstler sämtlicher moderner Medien – von Malerei über Großinstallationen bis hin zu Video- und Performancekunst. Gefundene Objekte oder Wohlstandsmüll als Basis stehen dabei für eine klare Konsumkritik.

Auch viele asiatische und lateinamerikanische Beiträge befassen sich mit Macht und Gewalt. Die Künstler verzichten dabei aber weitestgehend auf laute Manifeste und verpacken ihre Systemkritik subtil. So macht Pio Abad aus dem Phillipinen mit Tuschezeichnungen auf den Verlust kultureller Identität aufmerksam, während Guadalupe Maravilla aus El Salvador mit fragilen Skulpturen, wie Schreinen oder heilenden Musikinstrumenten, dem Trauma kolonialer Gewalt begegnet. 

 

Eigentlich wollte Koyo Kouoh mit ihrem Motto „In Minor Keys“ das laute Spektakel unterbrechen und mit Zwischentönen punkten. Doch auch wenn immer wieder in Einzelbeiträgen Melancholisches, Meditatives oder intime Einsichten verdrängtes Wissen aus dem globalen Süden zu Tage fördern, kann das Versprechen der Entschleunigung nicht wirklich eingelöst werden: der Versuch, mit gedämpften Moll-Tönen einen Gegenpol zu den Krisen unserer Zeit zu setzen, scheiterte am Lärm der Realität. Und so zeigte sich auch die 61. Biennale mit ihren diplomatischen Krisen und den zahlreichen Protestaktionen als Spiegelbild einer radikal polarisierten Welt.

Zeit als Bildraum

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